Lockdown – wie geht Portugal damit um?

Ein Bericht aus Porto - Januar 2021 - Von Algeth Weerts

2 Im Park

… und plötzlich gehen die Zahlen der Neuinfizierten mit dem vermaledeiten Covid-Virus hoch. Das war nicht nur in Deutschland so. In diesem Jahr war es gar nicht so einfach ein fröhliches „Gutes Neues Jahr“ zu schmettern.  

Bis zum 14. Januar des neuen Jahres galten in Portugal Regelungen, die ein relativ normales Leben ermöglichten. Mit all' den Annehmlichkeiten, die vor allem auch das Klima mit sich bringt: Im Januar in der warmen Sonne in einem der vielen Café sitzen, oder auf der Parkbank ein Buch lesen, das Leben genießen.

Da fällt es wenig auf, wenn ich zwischen 23 Uhr und 5 Uhr morgens nicht draußen sein soll – zur Arbeit dürfte ich um die Zeit ja trotzdem gehen. Oder wenn die Läden am Samstag schon um 13 Uhr schließen müssen. Auf mich wirkt Porto dann ein wenig „wie auf dem Dorf“: nicht so wirklich anders als an einem Samstag oder Sonntag in Martfeld oder Bruchhausen-Vilsen.

3a Praca da Liberdade

Als dann aber die Zahl der Neufälle nach Weihnachten, im neuen Jahr enorm in die Höhe ging - sie lag bei 10tausen und mehr Neuinfektionen täglich – wurde es unruhig. Das Parlament trat in der Woche zusammen und schon ab dem 15ten Januar galten für das „Confinamento“ (Einschluss/ Begrenzung), die neuen verschärften Regeln des „Estado de Emergência“/ Notfallzustand. Namentlich gibt es in Portugal kein „Corona“ sondern Covid-19.

Die Geschäfte mussten schließen. Also die, die Kleidung, Schuhe und andere nicht dringend notwendige Dinge verkaufen. Alle Märkte und Supermärkte blieben geöffnet, auch die kleinen Gemüse- und Früchteläden.

In Portugal ist es üblich, ein Mittagessen in den Restaurants einzunehmen, oder jedenfalls einen Snack („petiscos“) - das ist zum Beispiel ein Toast mit Schinken und Käse, ein Croissant - mit einem kleinen Cafézinho (Kaffeechen/ Espresso).

4 Cafezinho

Das ging ab dem 15ten nicht mehr. Was möglich blieb: über einen Tisch am Ladeneingang zu kaufen, das Essen vorbestellen und abholen, liefern lassen.
Auch waren die Öffnungszeiten wieder 'normal', das bedeutet samstags bis 20 Uhr und sonntags geöffnet. Aber nur für ein Wochenende.

Die Regelung beeindruckten das Infektgeschehen wenig, die Zahlen blieben so hoch. Und gleich in der nächsten Woche wurde „nachgeschraubt“: Kein Verkauf mehr an der Ladentür und wieder zurück zur Regelung samstags Ladenöffnung bis 13 Uhr.

Was die ganze Zeit jedoch ausdrücklich erlaubt blieb und bleibt, ist Individualsport und Spaziergänge an der frischen Luft. Es wird überall an den üblichen Flanierstrecken aber mit Schildern darauf hingewiesen, dass wir eigentlich zu Hause bleiben sollen.

5 Absperrung

Text auf dem Schild „Bleibt Zuhause. Rettet Leben. Genuss der Natur, spazieren mit Tieren, körperliche Aktivitäten müssen individuell, im Wohngebiet und für kurze Zeit durchgeführt werden. Die Nichtbeachtung dieser Regeln ist ein Verbrechen des Ungehorsams“

Solange die Sonne scheint, ist es weiterhin nicht 'schrecklich' mit dem „Confinamento“. Auch wenn mir diese erfreulichen Aufenthalte – mal eben ins Café – wirklich fehlen!

Zu Beginn des Jahres war es in Portugal enorm kalt. In manchen Nächten sank die Temperatur bis auf 0° und sogar Minusgrade. Das gibt es in Porto sehr wohl, ein paar Nächte mit Temperaturen um 3° - 4° und weniger herum. Und der Januar ist auch hier Winter und der kälteste Monat. Aber die Sonne macht die Tage schnell warm und angenehm und so sind 12° oder 14° tagsüber genauso normal.
Die Kälteperiode war dieses Jahr jedoch ungewöhnlich lang und Portugal hatte den kältesten Winter seit 50 Jahren! … macht nichts, die Sonne erfreut die Seele! Ich konnte jedenfalls viele wunderschöne, sonnige Fotos von meinen Spaziergängen zu meinen Lieben in Hollen etc. schicken.

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Jetzt hat die 'Regenzeit' begonnen. Klima-mäßig ist Februar der regenreichste Monat. Und Regen plus Lockdown ... das ist wirklich langweilig!!!!

8 Regen

Sobald es auch nur einigermaßen trocken ist begebe ich mich auf einen meiner Lieblingsspaziergänge entlang des Flusses (Douro) bis zum Meer.
Ich genieße es sehr, das Meer, den Ozean in 'Spaziernähe' zu haben!

9 Ozean

10 Ozean
Die Infektionszahlen allerdings bleiben weiter ziemlich hoch. Die Verläufe für die Einzelnen scheinen – wie in anderen Ländern auch – allgemein zwar leichter zu sein. Aber die Zahlen derjenigen, die schwer erkranken und Intensiv behandelt werden müssen ist gestiegen. Das bringt das Gesundheitssystem an den Rand des Kollapses. Es wird alles getan, um den Druck auf die Krankenhäuser zu mindern. Die Verlegung der Kranken in andere Krankenhäuser, das neue Hospital in Lissabon ist fast betriebsbereit. Und weil die Zahlen weiter stiegen, der Aufbau von Triage Zelten. Auch wenn in Betracht gezogen wird, das in der Thematik ausgebildetes Personal aus dem Ausland eingesetzt wird, ist das nur in geringem Umfang geschehen. Der Höhepunkt dieser Situation scheint jetzt, Ende Januar, im Norden überwunden zu sein.

So dramatisch das klingt, ist im täglichen Leben nicht wirklich viel davon zu bemerken. Es ist leer auf den Straßen und still.

Wie es mir damit geht? Nun ich denke: Wenn ich bisher all die schönen portugiesischen Momente genießen durfte, ist es auch in Ordnung, die „Lasten“, die dann folgen, mit zu tragen.  Und vor allem ist der Umgang mit dem Thema in Portugal ruhig und wenig panisch. Ich empfinde es als realistisch und habe zum Management der portugiesischen Regierung Vertrauen.   
Ich kann noch immer nach einer Stunde walken am Ozean stehen.

Was also bleibt zurzeit? Ein bisschen Schulterzucken, und uns allen die besten Wünsche für ein gutes Neues Jahr 2021!

11 Neues Jahr

Alle Fotos: Algeth Weerts

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