Tante Lotti

Charlotte Homfeld - Ein Nachruf
 Autor: Wilfried Nordbruch
"Tante Lotti" (1921 - 2009)
Nachruf durch Wilfried Nordbruch während der Trauerfeier am 17.09. 2009 in der Martfelder Friedhofskapelle

Liebe Tante Lotti,
zum letzten Mal möchte ich Dich so ansprechen, und Dir im Namen des Heimat- und Verschönerungsvereins Martfeld für Deinen unermüdlichen Einsatz für unseren Verein danken.

dorffest77Von Anfang an hast Du uns über Jahrzehnte, über mehr als 30 Jahre, mit Rat und Tat begleitet. Deinen ersten, ganz großen Auftritt, hattest Du bei der 800-Jahrfeier der Gemeinde Martfeld 1979, als Du bereits Wochen vor der eigentlichen Jubiläumsfeier zusammen mit Deiner Freundin Gertrud Schumann und in Begleitung von Edwin Seebode und Richard Klausen als "Krutwieber" mit der Kutsche in alle Ortsteile unseres Dorfes gezogen bist und Werbung für dieses große Ereignis der Gemeinde Martfeld und des Heimatvereins gemacht hast. In den folgenden Jahren hast Du bei den Dorffesten unermüdlich die Drehorgel gedreht und Geld für einen guten Zweck gesammelt, so z.B. für die Aktionen "Sorgenkind", die später in "Aktion Mensch" umbenannt wurde, und für "Ein Herz für Kinder".

 

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An den Mühlentagen, immerhin vier Mal im Jahr, hast Du die Mühle geschmückt und diese mit wunderbaren Blumengebinden und Gestecken ausgestattet. Außerdem hast Du regelmäßig leckere Torten und herrliche Kuchen für das Kaffetrinken in der Mühle gebacken. Als später auch standesamtliche Trauungen in der Mühle durchgeführt wurden, hast Du dort, für Dich ganz selbstverständlich, auch wieder das Ausschmücken der Mühle übernommen. Bei den Mühlentagen selbst, hast Du am Eingang gesessen, die Besucher begrüßt, sie gern auch mal in ein kleineres Gespräch verstrickt und ihnen Deine zahlreichen Fotos mit Motiven des Dorfes gezeigt. Du warst gewissermaßen das Aushängeschild unseres Vereins. Ein Mühlentag ohne Dich, Tante Lotti, war einfach nicht denkbar. Als Deine Gesundheit in den letzten Jahren eine unmittelbare Beteiligung in der Mühle nicht mehr zuließ, hast Du vor Deiner schön geschmückten Haustür gesessen, den vorbeikommenden Mühlenbesuchern zugewinkt und natürlich auch bei dieser Gelegenheit den ein oder anderen Klönschnack gehalten. Daneben hast Du all die Jahre in unserem Geschichtsausschuss mitgewirkt, oft im Stillen, ohne nach außen hervorzutreten. Bei den Recherchen für die Schriftenreihe des Heimatvereins: "Martfeld Vergangenheit und Gegenwart" konnten wir immer auf dein fundiertes Wissen über Geschichte und Geschehnisse des Dorfes Martfeld und seiner Ortsteile: Kleinenborstel, Hustedt, Loge und Tuschendorf zurückgreifen.

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"Schreiben war für sie Leben" hat Deine Familie in der Traueranzeige geschrieben. Insbesondere im 5. Buch der genannten Schriftenreihe, die Chronik der ehemaligen Gemeinde Kleinenborstel, die Gemeinde in der Du geboren und aufgewachsen bist, wird Deine Mitwirkung deutlich. In ihr hast Du die Schulgeschichte Kleinenborstels aufgearbeitet und auch weitere Artikel veröffentlicht. Ebenso hast Du an der Hustedter Chronik mitgewirkt.

Bei allen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Beschwernissen in den letzten Jahren haben Dich der Lebensmut und die Zuversicht, sicher auch im Hinblick auf Gottes Gnade und sein Reich, nicht verlassen.
In einem Brief zum Jahreswechsel 2007/2008 an Regina und mich, also in Deinem 87. Lebensjahr, schreibst Du zum Schluss (und das soll auch gleichzeitig der Schluss meiner kleinen Ansprache sein):

"Nutzen wir aber die uns verbleibende Zeit, zum frohen, lebendigen Leben, nicht zum Jammern über Missstände. Es gibt immer viel Schönes zum Freuen, man muss die Dinge nur sehen. Es gibt so viel zu danken für Dinge, die nicht selbstverständlich sind. Dankbarkeit lindert Schmerzen, Freude macht die Seele weit."

Siehe auch: Charlotte Homfeld, genannt "Tante Lotti"