Instandsetzung des Motors in der Fehsenfeldschen Mühle

Am Freitag, den 17.6.2016, traf sich eine kleine Gruppe Interessierter in der Fehsenfeldschen Mühle, um die Restauration des Diesel-Motors in die Wege zu leiten. Der Deutz-Motor ist schon seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb, sollte aber nach Meinung von Ernst Meininger reparierbar sein.

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Meininger hat bereits andere Motoren repariert und ist aus diesem Grunde recht optimistisch, dass es auch hier gelingen kann. Bei dem Motor handelt es um ein Modell aus der Zeit von 1904-1908. Diese Modelle waren bei hohem Brennstoffverbrauch nicht sehr leistungsfähig und wurden daher auch relativ früh außer Betrieb genommen und oftmals verschrottet. Aus diesem Grunde handelt es sich hier um eine Rarität, die sicherlich zur Attraktivität der Mühle beitragen wird, wenn der Motor denn wieder funktionsfähig ist.

Beschädigter Glühkopf Geplant ist zunächst einmal eine Überprüfung des Zustandes des Motors, um abschätzen zu können, welche Kosten ggf. anfallen können. Dazu soll mittels eines Endoskops der Zustand im Inneren des Zylinders überprüft werden. Des Weiteren wird versucht, über die Firma Deutz an technische Dokumentation zu gelangen. Am Motor wurden offensichtlich Teile entfernt, von denen nicht ganz klar ist, um was für Teile es sich handelt.
Eine erste Inbetriebnahme ist für September geplant. Anschließend soll auch die Optik des Motors wiederhergestellt werden (Entfetten, Lackieren etc.). Der Raum, in dem der Motor steht, soll wieder so hergerichtet werden, wie er in der Zeit um 1910 ausgesehen haben könnte: so sollen z. B. die Leuchtstoffröhren und Lichtschalter sollen durch entsprechende alte Modelle ersetzt werden.
Der Restaurationsfortschritt wird hier auf der Web-Seite und auch in der lokalen Presse dokumentiert werden.
Text: drp / Fotos: urp

Erste Ergebnisse

Die an Deutz gerichtete Anfrage wurde von Herrn Dipl.- Ing. Dietmar Voß (Unternehmensgeschichte der DEUTZ AG) beantwortet. Laut Motoren-Stammrolle gehört der Motor zu den 33 Motoren dieser Bauart, die 1904 geliefert wurden. 

Hier gibt es allerdings ein Problem: es handelt es sich um einen Dieselmotor (an der Einspritzdüse im Foto erkennbar). Gemäß der Eintragung in der Motoren-Stammrolle wurde der Motor Nummer 39.602 jedoch 1904 als Ottomotor, Typ 10.16 für Benzolbetrieb vorgesehen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Der Motor wurde als Ottomotor bestellt, dann durch eine Auftragsänderung jedoch als Dieselmotor geliefert, die Angabe in der Motoren-Stammrolle aber nicht geändert. Dann ergäbe sich allerdings ein ganz anderer Motortyp, dessen Typenbezeichnung heute nicht mehr nachvollzogen werden kann.

Motoren Stammrolle

Oder der Motor wurde später auf Dieselbetrieb umgerüstet. Der Aufwand wäre allerdings enorm gewesen (neu wären u.a. Zylinderkopf, Benzinpumpenantrieb, Benzinpumpe, Zylinderrohr wegen der höheren Verdichtung usw.). Eine Klärung ist ggf. aus dem Bestell- und Lieferschriftverkehr möglich - sofern noch vorhanden.

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Zylinder, Kolben  und Pleuel

FrischGeputzteTropfOeler

Drei Tropf-Öler: gereinigt, poliert und mit frischem Öl gefüllt

Weitere Ergebnisse

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Wie bereits vermutet ist der Motor vom Benzolbetrieb auf Dieselbetrieb umgerüstet worden. Es liegen zwar keine Dokumente zum Bestell- bzw. Lieferschriftverkehr mehr vor, aber die meisten der alten Originalteile sind noch vorhanden. Bei genauerer Begutachtung des Motors sieht man auch, dass Teile wie die Benzinpumpe nachträglich montiert worden. Alle "Originalteile" sind am Motorblock selber befestigt, die nachgerüsteten Teile sind entweder am Betonsockel montiert oder über Winkeleisen am Motor angeschraubt worden.

 

 

 

 

 

 

EntwurfAnbauFuerMotor

Entwurf des Anbaus für den Motor (wurde so allerdings nicht umgesetzt). Die Abbildung wurde von Herrn W. Reinhardt zur Verfügung gestellt.

Zur Zeit wird eine Bestandsaufnahme gemacht, welche Teile erneuert bzw. beschafft werden müssen. Um die dabei anfallenden Kosten aufbringen zu können wird der HVV für das Jahr 2017 entsprechende Fördermittel beantragen. Erste grobe Abschätzungen ergeben, das für (weitest gehend) original getreue Restauration mehere Tausend Euro benötigt werden.

Mahlgang Motor 1

Dieser Mahlgang wurde seinerzeit vom Mühlenmotor angetrieben. Nach der Restauration des Motors soll auch der Mahlgang wieder Instant gesetzt werten.

Mahlgang Motor 2

Text und Fotos: drp

 Veteran mit 21 Litern Hubraum

Martfelder wollen 100 Jahre alten Motor aus Dornröschenschlaf erwecken


Ohne Ölwanne und Vergaser. Der 112 Jahre alte Motor kam ohne diesen Luxus aus, und das wird er auch künftig. Davon sind Anton Bartling, Heinrich Gräpel, Dr. Rainer Paape und Ernst Meininger (v.l.) überzeugt.

Spannende Momente waren es, als sie an dem mächtigen Schwungrad standen. Und mit vereinten Kräften zupackten. Drei gestandene Männer werden dieses mannshohe Schwungrad doch bewegen können, wenn nicht sie, wer dann? Und siehe da, es regte sich. Millimeterweise nur, aber es bewegte sich, und mit ihm ein Bauteil, das noch viel wichtiger ist. Der Kolben, Kein Allerweltsgerät, dass unter jeder Autohaube seinen Dienst verrichtet, sondern ein ganz besonderer Kolben in einem riesigen Zylinder. Einen mit 21 Litern. Hubraum. Er gehört zu einem mehr als hundert Jahre alten Motor, eine Rarität, womöglich sogar ein Unikat das jetzt in der Fehsenfeldschen Mühle in Martfeld wieder hergerichtet wird. Und das an jenem Freitag Mitte August seinen ersten Test bestand.

Viel Feingefühl braucht der Maschinist, um die Motordrehzahl des Veteranen zu regulieren.
Wir hoffen, den Motor schon im nächsten Jahr in seiner ursprünglichen Form. in Betrieb nehmen zu können," sagte HVV-Vorsitzender Anton Bartling am Rande dieses Testes. Sozusagen eine Jahrhundertaufgabe. Schon mehrfach war in den 40 Jahren des Bestehens des Vereins der Versuch unternommen worden, das mehr als vier Tonnen schwere Ungetüm wieder seinem eigentlichen Verwendungszweck zuzuführen. Aber mal ging die Restaurierung der Windmühle vor, mal scheiterte das Vorhaben schlicht an dem enormen Zeitaufwand, den es verschlingt. Und mal daran, dass hier ein Motor steht, der zuletzt mit Diesel betrieben wurde, mehr schlecht als recht, wie sich ältere Martfelder erinnern, in seinem Urzustand aber Benzol schluckt, Klartext: Er muss umgebaut werden, soll er wieder wie vor mehr als hundert Jahren bullern. Neue Nahrung haben jetzt die Hoffnungen erhalten, als Vereinsmitglied Dr, Rainer Paape auf den Verdener Tüftler und Konstrukteur Ernst Meininger stieß, und beide mit dem für die Mühlentechnik verantwortlichen Heinrich Gräpel erste Schritte unternahmen. Unterstützung erhieIten sie zudem aus dem Deutz-Archiv in Köln.

Spezielle Form der Motorölung: "Der Tropf-Öler
Seltsame Glasbehälter fallen ins Auge, Ein bisschen ähneln, sie zu breit geratenen Reagenzgläsern, ein bisschen den Infusionsgeräten an Krankenhaus-Betten. Infusionsgeräte trifft's wohl am besten. Das sind Tropf-Öler," sagt Ernst Meininger. Ein knappes halbes Dutzend findet sich an und auf dem Motor. Und das hat Gründe. Im Jahr 1904, als dieser Motor verkauft wurde, da gehörten Ölwannen längst noch nicht zur Serien-ausstattung, Wer sein Antriebsaggregat trotzdem geschmiert halten wollte, der hielt die Tropf-Öler im Auge und füllte sie gut, auf dass Zahnräder und Gelenke nicht trockenliefen. Überhaupt war der Maschinist ständig mit der Ölkanne unterwegs. Mehr als ein Dutzend Schmierstationen verlangten nach regelmäßiger tropfenweiser Versorgung. Wer künftig in dem mehr als 80 Jahre alten Mühlenbau hinter die eichene Tür schaut, der wird überhaupt einige Technik vermissen, die damals noch unbekannt war, oder zumindest nicht zur Serienausstattung gehörte. Vergaser. Die Patentrechte galten als zu teuer, es ging auch ohne, ein Drehzahlregler hielt den Motor auf Touren,. Anlasser: Der Motor wurde mit Druckluft gestartet, 30 bar brachten ihn in Schwung. Um den Motor nur wie damals mit Benzol, oder eben auch Benzin betreiben zu können, bedurfte es zunächst mal der Benzinpumpe. Wie durch ein Wunder fanden sie das Gerät in alten Lagerbeständen. Meininger hat es inzwischen auf Vordermann gebracht, aber noch ist nicht alles getan. „Es weist in einem Bauteil, dem Zündkopf, noch einen Riss auf. Dies Teil werden wir nachbauen müssen“. Viel größere Sorgen, bereitet dem Tüftler jedoch jenes Gerät, das das Kraftstoff-Luft-Gemisch bei jeder Umdrehung zur Explosion bringt. Der Magnet-Zünder, genauer, ein Niederspannungs - Magnetzünder, Meininger hat zwei Möglichkeiten: „Entweder konstruiere ich aus fünf Fragmenten, die mir inzwischen vorliegen, ein einziges, aber das bedeutet mindestens hundert Arbeitsstunden, oder ich finde tatsächlich noch ein Original“. Gesucht ist ein Bosch-Erzeugnis mit den Bezeichnungen AR3 oder AR2V. Vielleicht liegt ja ein solches etwa armgroßes Gerät noch verborgen in irgendeinem Regal, Derweil ist die Geschichte dieses Motors weitgehend rekonstruiert Im Jahr 1904 lieferte ihn die Firma Deutz Gasmotoren als einen, von 33 Exemplaren aus. 16 PS entfaltete er aus 21 Litern Hubraum bei 200 Umdrehungen pro Minute. Irgendwann dürfte er nach Martfeld gekommen sein, wo er auf Dieselbetrieb umgerüstet wurde, wahrscheinlich Anfang der 30er Jahre. Ein Unterfangen, das aus gutem Grund nicht von sonderlich viel Erfolg gekrönt war, wie Meininger findet: „Das Schwungrad reichte für Benzolbetrieb, für Dieselbetrieb hätte es 60 Prozent größer sein müssen." Über Transmissionsriemen und Wellen trieb er dennoch einen Mahlgang in der Mühle an. Schon von Anfang an galt er als eigentlich technisch überholt, „Bereits 1908 leisteten, Motore mit diesem Hubraum runde 40 PS. Exakt 56 Jahre befand er sich in Betrieb, ehe er 1960 stillgelegt wurde, und seit ebenfalls 56 Jahren ruht. „Ein idealer Zeitpunkt also, ihn aus der Dornröschenschlaf zu holen," sagt Meininger.

Das ist wie ein Sechser „im Lotto"
Karl Landwehr hütet seit 78 Jahren einen Magnetzünder, der in Martfeld fehlt.

Quelle: Wochenzeitung 25.09.2016 (aks)
Foto:Schwarze „

Sie haben gewonnen!" Wer wartet insgeheim nicht auf diese magischen drei Worte, die einem eine freundliche Stimme am Telefon ins Ohr säuselt, oder die man zwischen Rechnungen und Reklame aus dem Briefkasten fischt. Gesunde Skepsis ist sicherlich angeraten. Wann erwischt man schon einen Sechser im Lotto? Vergangene Woche! Die Glücksbotschaft war allerdings vier Worte lang und lautete wörtlich: „Ich habe den Magnetzünder."
Schmucke Technikgeschichte: Magnetzünder von 1899 und ein Tropf-Ölen. Ein Magnetzünder, Baujahr um 1900, das war es, was Ernst Meininger und seinen Kollegen fehlte, um daran denken zu können, einen 112 Jahre alten Motor vollends wieder flott zu machen. In unserer Ausgabe vom 4. September stellten wir die Enthusiasten des Heimat- und Verschönerungsvereins Martfeld vor, die sich drei Monaten bemühen, dem mehr als vier Tonnen schweren Koloss im Anbau der Fehsenfeldschen Mühle Leben einzuhauchen. Auf Kompromisse wollen sie sich nicht einlassen, der Originalzustand ist ihr Ziel. Mit großem Interesse hat Karl Landwehr aus Beckeln den ausführlichen Bericht gelesen. „Ich wusste, irgendwo habe ich so ein Ding". Beim Magnetzünder bewegt sich auch gar nichts. Das Ding aus Gusseisen hütet Karl Landwehr seit 78 Jahren. Sein Großvater hatte in den frühen Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen Motor erworben, der die Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb erleichtern sollte. Er trieb die Dreschmaschine an und machte den Mahlvorgang weniger beschwerlich, erinnert sich der heute 86 Jährige noch genau. Oft hat er als Kind das Schauspiel der Inbetriebnahme verfolgt. 1938 war es, da hatte der Motor ausgedient, war kaputt und wurde kurz und klein geschlagen, erzählt Karl Landwehr. Acht Jahre war er da alt und bat darum, den Zünder behalten zu dürfen. Seitdem begleitet das schwere Stück ihn auf seinem Lebensweg. Von der elterlichen Hofstelle in Neuenkirchen bei Sulingen bis nach Beckeln in der Samtgemeinde Harpstedt, wo Karl Landwehr den Lebensabend verbringt. „Meine Kinder wussten nichts davon", erzählt er den Martfelder Tüftlern, die gespannt lauschen, welche Geschichte der Zünder hinter sich hat. Ihr Zünder, wie sie seit Freitag sagen dürfen, denn bei einem Besuch in Martfeld überließ Karl Landwehr den Magnetzünder dem Verein. „Ich schenke ihn dem Motor", sagt er, und es klingt direkt feierlich. Denn für Motoren schlägt sein Herz bereits sein Leben lang. Bis heute restauriert er Ackerschlepper und fährt Motorrad. „Eine BMW natürlich", stutzt er ob der Nachfrage. Baujahr 1953. „Ich möchte annehmen, dass es einen solchen Zünder im Landkreis und darüber hinaus nicht noch einmal gibt. Das ist wie ein Sechsen im Lotto." Ernst Meininger kann sein Glück noch immer nicht fassen. Ehrfürchtig betasten auch Dr. Rainer Paape und Ralf Gräpel das seltene Stück. Das Typenschild ist deutlich lesbar: BOSCH 801309 TYPE „C“ .Das habe ich immer ordentlich geputzt", sagt Karl Landwehr. Aus Produktionslisten der Firma Bosch kann man entnehmen, dass der Zünder 1899 gefertigt worden war. „Und baugleich zu dem unseres Motors von 1904 ist", hat Ernst Meininger recherchiert. Bis auf eine abgebrochene „Nase" fehlt dem Zünder nichts. Funktionstüchtig ist er dennoch nicht. Staub und Rost der Jahrzehnte haben den Mechanismus stillgelegt. Die Spule rührt sich nicht einen Millimeter. Eine Woche, vielleicht auch zehn Tage, solange wird Ernst Meininger brauchen, um den Magnetzünder einsatzbereit muss neu gewickelt und magnetisiert werden, auch Schweißarbeiten sind nötig soll die spätere Verwendung nicht scheitern. Für das nächste Jahr hat der Verein Fördermittel beantragt, um den Motor zu restaurieren. Der Magnetzünder aus der Schatzkiste von Landwehr macht den Gedanken an eine vollständige Instandsetzung jetzt möglich.

Artikel der Kreiszeitung vom 19.04.2017:

Kreiszeitung 2017 04 19